Mit über 50 den Job wechseln?

Es gibt viele gute Gründe dafür – und manchmal zwingt eine Kündigung zur Neuorientierung.

Vielleicht lässt die Corona-Pandemie dich über deinen Job anders denken?

Vieles ist nicht mehr, wie es war. Homeoffice, wenig Kontakt zu Kollegen und Vorgesetzten, viele veränderte Prozesse, die oft nicht richtig funktionieren. Da tauchen schnell Fragen auf, ob es Zeit ist, etwas zu ändern, ob die Arbeit Sinn macht, ob es überfällig ist, Konsequenzen zu ziehen.

Eine Xing-Studie vom Januar 2022 hat gezeigt, dass 37% der deutschen Arbeitnehmer über einen Jobwechsel nachdenken. Das sind 12% mehr als im Vorjahr.

In diesem Beitrag erfährst du, welche Fragen zu klären sind und was zu bedenken ist, bevor du auf Stellensuche gehst.

 

Warum es mit 50 nicht zu spät ist für deinen Traumjob

Es ist schwieriger, mit 50 Plus einen neuen Job zu finden. Aber es ist nicht unmöglich.

•    In den 90ern galten 50-Jährige als nicht vermittelbar. Die Erwerbsquote der 50- bis 60-Jährigen ist heute doppelt so hoch wie damals.
•    Mitarbeiter 50 Plus gelten nach der überwiegenden Meinung als motiviert, sorgfältig und verantwortungsbewusst.
•    Es gibt einen Fachkräftemangel, der sich in der Zukunft durch den demografischen Wandel noch vergrößern wird. Die Fachkräfte 50 Plus werden dringend benötigt.
•    Heute gelten 50-Jährige nicht mehr als alt. Die Lebenserwartung steigt und die Lebensphasen verschieben sich. Die Gründung einer Familie erfolgt oft erst zwischen 30 und 40. Die 50-Jährigen haben noch 17 Jahre bis zur Rente. Zurzeit liegt das Durchschnittsalter der Erwerbstätigen bei 44 und wird in weniger als 10 Jahren bei 50 liegen.

5  gute Gründe für einen neuen Job

Es gibt viele Gründe, warum man sich nach einem neuen Job sehnt.

Grundsätzlich ist es immer besser, wenn man dabei hin zu einer Verbesserung, einem positiven Ergebnis strebt, als nur weg von einer Situation.

Du suchst einen neuen Job um dich weiter zu entwickeln

In deiner Firma gibt es keine Aufstiegschancen. Du möchtest nicht für weitere 15 Jahre auf der gleichen Stufe stehen bleiben. Mit deiner Ausbildung, Erfahrung und Engagement bist du fit für die nächste Hierarchiestufe. Der Wunsch nach einem Jobwechsel ist nur zu verständlich.

Du siehst keinen Sinn in deiner Tätigkeit

Dein Job ist für dich nur noch da, um deinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Du möchtest viel lieber etwas sinnvolles Tun?
Bei deinem ersten Job waren dir ganz andere Dinge und Werte wichtig als heute. Inzwischen weißt du viel besser, was dir liegt, was dir Freude macht, was dich motiviert. Vielleicht möchtest du in den letzten Berufsjahren etwas bewegen, Erfahrungen weitergeben, Menschen begeistern, Denkanstöße geben?

Beruf und Privatleben passen nicht zusammen

•    Du bist zu oft auf Geschäftsreise
•    Die Arbeitsstelle ist weit von deinem Wohnort entfernt
•    Du musst zu viele Überstunden machen
•    Du möchtest mehr Zeit für die Familie haben

Du möchtest dich neuen Herausforderungen stellen

•    Du sehnst dich nach neuen Herausforderungen. Dein alter Job besteht nur aus Routine-Aufgaben.
•    Bisher hast du mit Rücksicht auf die Familie einen Gang zurückgeschaltet. Die Kinder sind aus dem Haus und du willst beweisen, dass du größeren Aufgaben gewachsen bist.
•    Du möchtest gerne eine Weiterbildung machen, um für neue Aufgaben gerüstet zu sein.

Dein Job macht dich krank

Es gibt dutzende Umstände, die krank machen können, wie z.B.
•    Anhaltender Stress
•    Zu viele Überstunden
•    Ständig erreichbar sein müssen
•    Fehlende Arbeitssicherheit
•    Fortwährende Unterforderung
•    Zu hohe Anforderungen
•    Ständige Kritik
•    Der Job ist körperlich zu anstrengend

Warte nicht bis es zu spät ist!
Ziehe den Schlussstrich, bevor du ernsthaft krank bist!

 

Die Chancen, wenn du mit 50+ den Job wechselst

In einem Neuanfang liegt eine Chance auf mehr Zufriedenheit.

Ein Job, in dem du zeigen kannst, worin du richtig gut bist

Du hast dir im Laufe deines Berufslebens ein großes Fachwissen angeeignet und gelernt, wie man mit Menschen umgeht. Du bist bereit, Verantwortung zu übernehmen und dich zu engagieren. Ein neuer Job biete dir die Chance, die bisher fehlende Anerkennung zu bekommen.

Ein entspannteres Leben

Der Stress im alten Beruf und die langen Arbeitszeiten haben dich zermürbt und dein Familienleben getrübt. Du hattest keine Zeit und auch keine Energie mehr für gemeinsame Unternehmungen und bist am Abend schlecht gelaunt vor Netflix eingeschlafen. In einem neuen Job kann dein alter Elan wieder erwachen. Du bist motiviert und findest rundherum Anerkennung – im Job und im Privatleben.

Flexiblere Zeiteinteilung

Ein neuer Job mit einer flexibleren Zeiteinteilung gibt dir die Chance, dein Hobby wieder zu beleben. Oder du hast endlich Gelegenheit, dich zum Beispiel mehr um deine Eltern zu kümmern.

 

Dieser Nachteile solltest du dir bewusst sein

Es wäre blauäugig, nicht auch an mögliche negative Seiten beim Jobwechsel zu denken.

Es kann zu Beginn finanzielle Einbußen geben

Nach vielen Berufsjahren kannst du vielleicht auf Ersparnisse zurückgreifen, sodass du ein geringeres Gehalt ausgleichen kannst. Du musst entscheiden, wie viel dir Zufriedenheit im Job wert ist.

Wenn der alte Jobtitel dir wichtig ist, musst du dich umstellen

Möglicherweise ist mit deinem alten Job ein Jobtitel oder ein Markenname verbunden, der dir wichtig ist. Glaubst du, dass manche Mitmenschen aus dem Grund kein Verständnis für deinen Wechselwunsch haben? Wie fühlt es sich an, demnächst darauf verzichten zu müssen? Welche guten Gefühle können das ausgleichen?

Du wirst neue Kontakte knüpfen müssen

Du hattest guten Kontakt zu deinen Kollegen und Geschäftspartnern? Natürlich musst du diese Kontakte nicht abbrechen. Aber es ist gut, an der neuen Arbeitsstelle neue Kontakte zu knüpfen. Es kann dich zu Beginn etwas überfordern, alles unter einen Hut zu kriegen. Neue Kontakte können dir entscheidend dabei helfen, eine neue Stelle zu finden.

Es kann sein, dass der neue Job nicht der richtige ist.

Aber lass dich von dem Gedanken daran nicht abschrecken.

Vollständige Sicherheit hast du auch nicht, wenn du im alten Job bleibst – erst recht nicht, wenn der Job dich auf Dauer krank macht.
Und je besser du dich auf einen Wechsel vorbereitest, je besser gelingt er.

Hier erfährst du, worauf es dabei ankommt.

Das solltest du kennen, damit der neue Job passt:

Beginne deine Überlegungen mit einer Bestandsaufnahme.

Nimm dir dazu ausreichend Zeit. Notiere über einen längeren Zeitraum jeden Abend:
•    was war gut am Tag und was war schlecht?
•    was möchtest du behalten und was willst du auf jeden Fall loswerden und warum?

Deine wichtigsten Werte, Überzeugungen, Einstellungen

Was ist dir wichtig im Leben? Sicherheit, Freiheit, Umweltschutz, Kreativität ….
Wo engagierst du dich?
Was stört dich an anderen Menschen?

Welche Werte liegen dem zugrunde?

Schau dir bei möglichen neuen Arbeitgebern an, ob es Konflikte mit deinen Werten geben könnte.

Deine Vorlieben und Wünsche

Nach der Bestandsaufnahme sind dir viele Wünsche klar geworden.

Arbeitest du gerne im Homeoffice oder lieber mit mehreren Kollegen in einem Büro. In Zeiten von Corona hast du vielleicht den Plausch an der Kaffeemaschine vermisst – oder du warst froh, endlich ungestört Pause zu machen.

Wie weit soll die neue Stelle maximal vom Wohnort entfernt sein? Bist du bereit für Staustehen im Berufsverkehr?

Gibt es Themen rund um deinen Beruf, zu denen du schon eine kleine Bibliothek aufgebaut hast? Ist jetzt der perfekte Zeitpunkt für die Fortbildung, die du schon mehrfach aus Zeitgründen verschoben hast?

Oder möchtest du eine Ausbildung absolvieren? Auch wenn du etwas Neues beginnen willst – mit deinen Kenntnissen und Erfahrungen wirst du nicht bei Null anfangen.

Schränke dich nicht ein bei deinen Überlegungen: Träume von deiner Zukunft!

Deine Stärken

Wo liegen deine Stärken?

Auf welchen Gebieten bitten deine Kollegen dich häufig um Rat?

Mit welchen Fragen kommen Freunde zu dir?

Welche Aufgaben erledigst du am Liebsten – vielleicht sogar mit einem Flow-Gefühl?

Deine Erfolge und was du schon alles erreicht hast

Worauf bist du stolz? Wo hast du dich aus der Komfortzone heraus bewegt und du warst begeistert von dem Ergebnis?

Hast du einen Vortrag vor einem großen Publikum gehalten?

Hast du deinem Arbeitgeber durch gute Vorschläge hohe Kosten eingespart. Hast du geholfen, einen wichtigen Kunden zu bekommen oder zu halten?

Wo hast du ganz besondere Flexibilität gezeigt?

Hast du dich auch privat weitergebildet? …

Überlege, womit du bei einem neuen Arbeitgeber punkten kannst.

 

Warum ein Persönlichkeitstest dir helfen kann

Ein Persönlichkeitstest muss ausreichend wissenschaftlich validiert sein. Dann ermittelt er zuverlässig die Ausprägung vorgegebener Merkmale.

Das Ergebnis hilft dir, zu erkennen, wer du bist.
•    Was motiviert dich?
•    Wie reagierst du auf Stressoren?
•    Wie verträglich bist du?
•    Bist du gewissenhaft?
•    Bist du offen für neue Erfahrungen?
•    Und wie wirken sich die Ausprägungen der einzelnen Merkmale auf die anderen Aspekte aus?

Du erkennst, wie und warum du in bestimmten Situationen reagierst und wie du dein Verhalten in Zukunft besser steuern kannst, wenn du es wünschst.

Du erkennst, warum du manche Ziele bisher nicht so einfach erreicht hast und wie du das in Zukunft ändern kannst.

Und du wirst auch erkennen, welche Jobs gut zu dir passen.

 

Wenn du weißt, worauf es bei deinem Traumjob ankommt, erfolgt der Realitätscheck.

Suche dir Firmen aus, in denen du gerne arbeiten möchtest, und baue Kontakte auf über dein Netzwerk oder über Xing und LinkedIn.

Finde heraus, wie das Betriebsklima ist, wie zufrieden die Mitarbeiter sind (das erfährst du auch über kununu.com) und wer die Ansprechpartner für eine Bewerbung sein könnten.

Wenn du deinen Traum-Arbeitgeber gefunden hast, dann kannst du deine Initiativ-Bewerbung entwerfen.

Wie du mögliche Vorurteile von Beginn an ausräumst, das erfährst du im nächsten Abschnitt.

 

Wie du Vorurteile gegen 50+ entkräftest

Die häufigsten Vorurteile gegenüber älteren Bewerbern sind folgende:
•    Zu langsam
•    Wenig flexibel
•    Oft krank
•    Zu hohes Gehalt
•    Ordnet sich schlecht unter
•    Mangelnde Computerkenntnisse
•    Veralteter Wissensstand

Auf der anderen Seite punkten ältere Bewerber meist mit diesen Stärken:
•    Große Erfahrung
•    Gute Menschenkenntnis
•    Effektive Arbeitsweise und Routine
•    Kreative Problemlösungen
•    Loyalität
•    Verantwortungsbewusstsein
•    Hohe Stressresistenz
•    Gute emotionale Stabilität
•    Zuverlässigkeit

Passe deine Bewerbung den aktuellen Anforderungen an.

Verwende ein professionelles, dynamisches Foto.

Hebe Projekte und Erfolge der letzten 5 bis 10 Jahre klar hervor, die Vorurteile widerlegen und Stärken betonen.

Dazu kannst du Hobbys erwähnen, die z.B. deine Fitness zeigen oder deine besondere Affinität zu Computern und Software hervorheben.

Gut ist es, wenn du durch Weiterbildungen – auch im privaten Bereich –  zeigen kannst, dass du Wert darauf legst informiert zu sein und zu bleiben.

 

 

Ich wünsche dir, dass du weiterhin genug Energie hast und Freude daran findest, dich mit dem Thema Arbeitszufriedenheit und Neuorientierung zu beschäftigen.

Bevor du dich für einen neuen Job entscheidest, solltest du auf jeden Fall festlegen, was du von einem neuen Job erwartest, damit du in Zukunft dauerhaft gerne zur Arbeit gehst.

Auf der Suche nach dem Traumjob – 5 Fehler, die du vermeiden solltest

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