Definition „Berufung“

Neben der rechtssprachlichen Bedeutung der Berufung als Einspruch gegen ein Urteil, definiert der Duden eine Berufung als „Angebot für ein [wissenschaftliches, künstlerisches, politisches] Amt“ oder als „besondere Befähigung, die jemand als Auftrag in sich fühlt“. Hier wird als Beispiel „die Berufung zur Künstlerin“ angeführt.
Wikipedia führt als Berufung außerdem die religiöse Bedeutung an: „Verspüren eines „inneren Rufes“ zu einer bestimmten Lebensaufgabe“.

​Gibt es „die eine Berufung“ ?

Viele Menschen sprechen von der Berufung, von der einen Aufgabe, zu der sie berufen sind, eine Aufgabe, die sie in dieser Welt zu erfüllen haben.


Die Suche nach dieser Aufgabe, diesem speziellen Sinn unseres Daseins setzt unter Druck. Unsere Eltern bringen uns nicht bei, wie die Berufung zu finden ist und in der Schule spricht niemand davon. Manch einer erzählt, dass man in sich hinein horchen soll, dass man die Berufung im Inneren fühlt. Aber wie funktioniert das? Wer sagt mir, dass ich das Richtige fühle?

Finde ich meine Berufung mit Hilfe der Astrologie oder der Numerologie? Hilft mir ein Gesichtsleser weiter?

Ich habe einiges ausprobiert und vieles angesehen. Eine wirkliche Hilfe in dem Sinne, dass ich eine Sicherheit bei der Suche erfahre, habe ich ​bei den eher esotherischen Angeboten nicht gefunden.

Die meisten Aussagen blieben vage. „Sei flexibel. Sturheit bringt dich nicht weiter.“ „Damit Sie Ihren Weg gehen können, darf Ihre Vision nicht zu sehr von der Realität abweichen.“ „Gerechtigkeit, Meinungsfreiheit und die eigene innere Wahrheit sind Ihnen hohe Anliegen.“

Ein Coachee berichtete mir, dass sie sich in der astrologischen Beratung mit allen Facetten wahrgenommen fühlte und anschließend ganz euphorisch heimfuhr. Am nächsten Morgen ging es ihr wie dem Indianer, der zum ersten Mal im Auto mitgenommen wurde: Sie hatte das dringende Bedürfnis innezuhalten, bis ihre Seele nachgekommen war. Schließlich realisierte sie, dass sie ihrem Ziel, die Berufung zu erkennen, nicht näher gekommen war.

​Die "eine" Berufung ​gibt es nicht!

Es gibt keinen Beruf, keinen Job, keine Arbeit, kein Amt, in dem du zu 100% Zufriedenheit, Glück, Anerkennung, Sinn, Erfüllung ... findest.
​Ich bin davon überzeugt, dass es diese eine Berufung und diese eine Lebensaufgabe für uns nicht gibt. Aus meinen eigenen Erfahrungen und auch aus den Erfahrungen, die ich als Coach gemacht habe, kann ich ganz sicher berichten:

Es gibt ganz viele Möglichkeiten, sich im Leben, im Beruf, im Job, mit einer Beschäftigung ... wohl zu fühlen, glücklich zu sein, Sinn zu finden, sich aufgehoben zu fühlen ...

Und diese vielen Möglichkeiten ändern sich in den meisten Fällen im Laufe des Lebens, weil sich die Lebensumstände ändern und die Prioritäten sich ändern. Wir lernen dazu, wir machen Erfahrungen, wir dehnen unsere Komfortzonen aus.


Mit Mitte 20 wolltest du möglicherweise ins Ausland gehen, die Welt kennen lernen, Neues ausprobieren, vielleicht auch Karriere machen?

In den 30ern hast du eventuell daran gedacht, eine Familie zu gründen. Sicherheit war dir wichtiger geworden. Du hast mehr darauf geachtet, dass deine Werte mit der Arbeit in Einklang sind.

Alles das sind Gründe dafür, dass es die eine Berufung nicht gibt.

​Wichtig ist, dass du dir Zeit nimmst

zu erkunden, was dir Freude macht, was dir wichtig ist und was du gut kannst.
Dabei kann Achtsamkeit dir helfen. Du lernst auf deine Gefühle zu achten und den Moment wahrzunehmen.